L.A. Duophony
L.A. Duophony von Graham Waterhouse, aufgeführt von Duo ASAP, München, Almuth Siegel und Ágnes Pusker.
Live Aufnahme aus einem Konzert in Gilching am 27.2.16.
L.A. Duophony für zwei Violinen wurde im Sommer 2015 zum 70. Geburtstag von Lucy Akehurst, einer bekannten und geschätzten Geigenlehrerin aus Birmingham geschrieben. Das L.A. des Titels bezieht sich auf sie, aber auch auf Los Angeles, wo ich mich im Frühjahr 2013 aufhielt. Neben der Getty Sammlung, den Palmen von Beverley Hills und dem endlosen Strand in Santa Monica blieb mir ein einsamer, etwas verwahrloster südamerikanischer Trommler in besonderer Erinnerung. Er trotzte dem ungeheuren Strassenlärm auf der abgasverrauchten Vine Street und trommelte inbrünstig seine Rhythmen zwischen den hohen, Bürohäusern. Auf seiner Bongo-artigen Trommel schlug er unregelmäßige Zweier- und Dreiergruppen, wie man sie von bulgarischer oder rumänischer Volkmusik kennt.
Es war mir zunächst unmöglich, ein Muster in den Rhythmusfolgen zu erkennen. Nach einer Weile war jedoch folgendes Schlagmuster herauszuhören: 2-3-2, 2-2-3-2. In meiner Vorstellung passte es als Sinnbild der unstete Rastlosigkeit dieser pulsierenden Stadt. Darauf bezieht sich der Rhythmus in L.A. Duophony. Die melodischen Motive verteilen sich gleichermaßen und nahtlos auf die beiden beiden Violinen. In einem ruhigeren Mittelteil wird die Linie eher sehnsüchtig und nachdenklich, begleitet von geschrammelten Pizzicati. Am Schluss kehrt die Intervallfolge der eröffnenden Pizzicatofigur wieder; die Linien kreuzen sich wie im zickzack, bevor das Werk mit schroffen, bitonalen Akkorden abschließt.